An alle KindergärtnerInnen!

Seit Oktober 2014 bieten manche Kindergartenträgerorganisationen in Kooperation mit FAmOs Seminare mit dem Thema “Regenbogenfamilien” im Rahmen ihres Fortbildungsprogramms an. Unter dem Veranstaltungstitel „Und wer sind deine Eltern? – Vielfalt von Regenbogenfamilien“ geben Elisabeth Cinatl und ich interessierten KindergartenpädagogInnen einen umfassenden Überblick rund ums Thema gleichgeschlechtliche Elternschaft. Neben einigem an theoretischen Input versuchen wir den TeilnehmerInnen in der Gruppe zu helfen ein Gespür für den Umgang mit Kindern aus Regenbogenfamilien und  ihren Eltern zu entwickeln, die Scheu vor dem Thema zu nehmen und ihnen vor allem zu vermitteln, dass sie die Dinge ruhig offen ansprechen können. Homosexualität darf kein Tabu mehr sein!

Mir ist es ausserdem wichtig zu vermitteln, wieso diese Sache uns so am Herzen liegt und wieso wir es so wichtig finden, dass Personen, die mit unseren Kindern zu tun haben für dieses Thema sensibilisiert werden. Dazu möchte ich hier gerne eine Email zitieren, die mir eine Regenbogenmama aus Oberösterreich geschickt hat, als ich um Erfahrungsberichte von Regenbogenfamilien mit Kindergärten gebeten habe. Ich finde sie hat es gut getroffen:

“Liebe Barbara,

Ben (4,5J) geht in einen Caritaskindergarten, und es war von Anfang an klar, dass er zwei Mamis hat. War auch kein Problem. Letztes Jahr haben dann einmal ein paar Kinder gefragt, ob er wirklich zwei Mamis habe, und waren mit einem klaren Ja zufrieden. Vor ein paar Wochen – Ben ist nicht grad der große Redner – habe ich ihm dann aus der Nase gezogen, dass er nichts von uns erzählt im Kindergarten. Ich fragte wieso? Und er gab als Antwort, weil er nicht wisse, WARUM wir zwei Frauen sind, und dass er dann auf die Frage keine Antwort wüsste.

Das ist jetzt keine so große Sache gewesen, und sie konnte auch schnell geklärt werden. Ich denke allerdings, dass Aufklärungsarbeit in Kiga und Schule SEHR WICHTIG ist und immer wichtiger werden wird!! Er hat einfach bemerkt, dass ständig die alte Vater-Mutter-Kind-Leier durchgezogen wird! Und dass er allein dasteht! Da muss dringend Aufklärung her!

–          ES muss einfach selbstverständlich sein, dass beim Muttertagsgeschenk bzw. Vatertagsgeschenk. Die Familiensituation angepasst wird und zwar ungefragt!

–          Es müssen in Bilderbüchern verschiedene Familienformen gleichwertig nebeneinander dargestellt werden – die Heteronormativität ist nicht real!

–          Über etwas NICHT zu reden ist auch verletzend! Die PädagogInnen müssen aktiv die Themen aufgreifen, bis es normal ist, dass alle Familienformen normal sind. NORMAL IST, WAS MAN GEWOHNT IST!!

–          Verschiedene Lebens- und Liebesformen müssen einfach Teil des Alltags sein, über den die PädagogInnen ganz normal sprechen sollen.

–          Wir sind alle verschieden, und das ist gut so! Diversity!

Wir hatten bis jetzt keine schlechten Erfahrungen im KIGA – nur ist mir ein den letzten Wochen klargeworden, dass wir auch keine guten haben, weil wir einfach so mitrennen und das Thema an sich nicht thematisiert wird!

Ich wünsche mir sehr, dass es auch in Oberösterreich in Angriff genommen wird! Was können wir hier in Oberösterreich tun, damit es auch Fortbildungen für PädagogInnen gibt? Hast du vielleicht eine Kontaktperson oder gibt es schon Initiativen in dem Bereich?

GlG aus Oberösterreich”

Um kurz auf die Frage in der Mail einzugehen: diese Angebote gibt es derzeit leider nur in Wien und werden von den Trägerorganisationen organisiert. Wir sind aber natürlich offen für sämtliche Anfragen und Angebote aus den Bundesländern, haben nur leider nicht die Kapazitäten und die Möglichkeit diese Veranstaltungen selber zu organisieren.
Bei Interesse einfach an famos@regenbogenfamilien.at wenden.

P.S.: vielleicht bin ich ja paranoid, aber ich höre Gleichstellungs-GegnerInnen, die sich eventuell hierher verirren sollten, schon wieder “Sodom und Gomorrha” schreien und möchte deswegen klarstellen, dass es uns keinesfalls darum geht Sex bereits im Kindergarten zum Thema zu machen. Uns geht es um Familienvielfalt. Kindern im Kindergartenalter kann man durchaus zumuten zu erfahren, dass es auch Kinder gibt, die zwei Mamas und/oder zwei Papas haben kann. Die Kinder im Kindergarten meines Sohnes wissen das alle und ihre Welt ist deswegen nicht aus den Fugen geraten. Im Gegenteil, sie haben die Chance schon frühzeitig zu erfahren, dass wir in einer wundervoll bunten Welt leben und Vielfalt etwas Gutes ist.

 

 

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