Schulsuche…

Die Zeit vergeht so schnell, vor allem wenn man Kinder hat. Unser süsser kleiner Bub ist bereits ein KILK (Kind im letzten Kindergartenjahr), Vorschüler sagt man anscheinend nicht mehr, zumindest nicht in unserem Kindergarten.
Das bedeutet für uns, wir müssen uns nach einer passenden Volksschule umschauen. In der Stadt bedeutend schwerer als am Land, wo allein aufgrund der Entfernung nur eine oder höchstens zwei Schulen in Frage kommen. Hier bei uns haben wir mehr Auswahl aber damit auch mehr Stress ja die richtige Entscheidung zu treffen.
Die Basisvoraussetzungen sind schnell klar. Möglichst eine Ganztagsvolksschule, gut zu erreichen, genügend Auslauf für die Kleinen (heisst idealerweise Garten und Hof), wertschätzende und engagierte Pädagog_innen, ein kindgerechtes Ambiente. Danach wird’s schon schwieriger. als Regenbogenfamilie suchen wir natürlich nach einem Platz, an dem unserer Familienform nicht nur Toleranz sondern Akzeptanz entgegengebracht wird, ein Ort an dem Gleichwertigkeit aller Familien nicht nur ein Lippenbekenntnis sondern gelebte Realität ist. Ausserdem hätten wir gerne auch männliche Pädagogen und Klassenlehrer_innen, die reflektiert und aufgeschlossen mit dem Thema Familienvielfalt umgehen können und zudem mit feinen Antennen ausgestattet sind, um etwaige Dynamiken, die in so einer Klassengemeinschaft entstehen können auffangen zu können und gegebenfalls regulierend drauf eingehen zu können. Zu viel verlangt? Ich hoffe nicht!

Die vom Standort her nächste Schule ist eine katholische Volksschule. Unser Sohn könnte dort ganz bequem zu Fuss hinmarschieren und das sicher ganz bald sogar ohne elterliche Begleitung. Klingt gut, aber bei “katholisch” schrillen bei uns alle Warnglocken. Die Schule soll angeblich ganz super sein, alle Kinder von Bekannten, die dort gehen, sind extrem zufrieden und glücklich. Wir haben uns trotzdem dagegen entschieden, haben uns die Schule nach einigem Hin und Her  nicht einmal angeschaut, denn man kann es drehen und wenden wie man will… die katholische Kirche hat grosse Probleme mit uns Nicht-Heterosexuellen. Da können wir unser Kind nicht hinschicken. Der Erfahrungsbericht einer Freundin, die derzeit ebenso auf der Suche nach einer passenden Schule für ihren Sohn ist, bestätigt mich in dieser Entscheidung. “Zum ersten Mal in meinem Leben, hab ich mich tatsächlich aufgrund meiner Lebensweise und meiner Familien diskriminiert gefühlt” erzählt mir Z., die ihren Sohn ebenfalls gemeinsam mit ihrer Partnerin aufzieht. Gar nicht schüchtern und mit gesundem Selbstvertrauen hat sie bei der Besichtigung einer katholischen Schule in Wohnortnähe gleich die Karten auf den Tisch gelegt und gefragt, wie die Schulleitung gleichgeschlechtliche Paare mit Kindern gegenüber denn eingestellt sei. Daraufhin durfte sie sich belehren lassen, dass in der Bibel von “Mann und Frau” die Rede sei und dass Kinder unbedingt eine männliche Bezugsperson bräuchten. Ganz offensichtlich war man in dieser Schule nicht darauf vorbereitet abseits von Fernsehen und Medien mit einer “echten” Regenbogenfamilie konfrontiert zu werden.
Was kommt man als Regenbogenfamilie auch auf die Idee sein Kind in eine katholische Schule schicken zu wollen, mag man sich da fragen. ” Die Schule liegt um die Ecke, soll an und für sich sehr gut sein und N.s beste Kindergartenfreundin wird dorthin gehen. Es hätte so gut gepasst, meint Z. betrübt. “Das ist nicht okay, dass Kinder aufgrund dieser Intoleranz getrennt werden und nicht die gleiche Schule besuchen können.”

Doch zurück zu unserer Suche. Glücklicherweise liegen gleich zwei Ganztagsschulen in annehmbarer Nähe zu unserem Zuhause. Und noch besser, dass uns beide ganz gut gefallen. In einer hatten wir bereits einen Termin bei der Direktorin, die meinte dass die Sexualität der Eltern überhaupt kein Thema und  ihre Schule total bunt durchgemischt sei.  So ganz glücklich bin ich mit dem “gar kein Thema sein” aber auch nicht, denn genau das ist mitunter ein Problem für Kinder in Regenbogenfamilien, dass ihre Familienform kein Thema ist (siehe auch diese Studie). Regenbogenfamilien kommen im Unterricht nicht vor und sind somit unsichtbar. Dadurch kommen die Kinder immer wieder in die mitunter unangenehme Position sich erklären und für ihre Familie rechtfertigen zu müssen. Dem könnte man so einfach entgegenwirken, wenn man in Schulbüchern und Unterricht Familienvielfalt (inklusive Regenbogenfamilien) mehr Raum geben würde.
Aber gut, auf alle Fälle eine bessere Reaktion auf unser Coming-out als die in oben beschriebener katholischen Schule.

Die zweite Ganztagsschule in unserem Visier wartet gleich mit der freudigen Überraschung auf, dass es dort sogar zwei (!) klassenführende männliche Pädagogen gibt. Also nicht nur Werk- und/oder Sportlehrer oder Freizeitpädagogen sind Männer, sondern gleich zwei Klassen haben männliche Klassenlehrer. Noch dazu wird nächstes Jahr einer von ihnen eine erste Klasse übernehmen. Hurra! 🙂
Der Dämpfer lässt aber nicht lange auf sich warten, als ein Freizeitpädagoge bei der Einführung für interessierte Eltern erzählt es gäbe am Nachmittag verschiedene Kursangebote für die Kinder und man versuche die Kinder entsprechend ihrer Vorlieben in diesen Kursen unterzubringen. Wenn nun ein Bub sich für Fussball und Häkeln angemeldet hätte, dann würde er natürlich zum Fussball geschickt werden, weil er beim Häkeln ja sonst einem Mädchen einen Platz wegnehmen würde. Häh? Auf die Frage meiner Freundin wieso der arme Bub denn nicht Häkeln dürfe, wenn er das wolle und wieso ein Mädchen nicht Fussball spielen dürfe, meinte er etwas aus der Bahn geworfen. Die Fussballmanschaft müsse ja auch Turniere gegen andere Mannschaften spielen und das würde mit Mädchen nicht gehen. Gefiel uns als gendersensible Eltern natürlich weniger gut, dieses Schwarz-Weiss-Denken.  Wir hoffen, dass ein Gespräch mit der Direktorin hier noch ein bisschen mehr Klarheit hineinbringt, denn es ist fraglich ob eine Schule, die in derart traditionellen Rollenbildern denkt verschiedene Familienformen als gleichwertig sehen kann.

Noch ist offen, wo unser Kleiner in einem Jahr landen wird, unsere Suche ist ja noch nicht abgeschlossen. Wir sind aber zuversichtlich, dass wir nächstes Jahr um diese Zeit mit gutem Gewissen sagen können, dass wir die richtige Entscheidung getroffen haben.

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google photo

You are commenting using your Google account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

Connecting to %s