Homonormativität

Jeden Abend bringen S. und ich abwechselnd unseren 6-jährigen ins Bett. Das geht schon seit vielen Jahren so und jedes Mal gibt’s eine Gute Nacht-Geschichte und danach wird geknuddelt und ab und zu auch noch geplaudert. In dieser geschützten und innigen Atmosphäre rückt unser Kleiner dann oft mit Themen und Fragen heraus, die ihn aktuell beschäftigen, so auch gestern:
“Mama, wie kommt der Samen in die Frau hinein? Mit dem Becher, oder?”
Etwas überrumpelt von der Frage habe ich dann – ich befürchte etwas holprig – Aufklärungsarbeit geleistet und versucht ihm zu erklären, dass die meisten Kinder anders entstehen. Ich glaube, bzw. ich hoffe, er hat das verstanden. Bisher kamen dazu jedenfalls keine Fragen mehr nach.

Mich beschäftigt seine Frage allerdings auch heute noch, ist sie doch ein anschauliches Beispiel dafür, dass unsere Kinder (ich meine hier jene Kinder, die in gleichgeschlechtliche Beziehungen hineingeboren werden) anfangs ein ganz anderes Bild von der Welt haben als Kinder von verschiedengeschlechtlichen Paaren. Auch die meisten von uns Eltern hatten in der Kindheit ein anderes Weltbild, da wir in der Regel ja heterosexuellen Beziehungen entstammen.
Wir mussten im Laufe unsere Entwicklung feststellen, dass es abseits der Heterosexualität auch noch etwas anderes gibt, etwas dem wir uns mehr zugehörig fühlen. Kinder aus Regenbogenfamilien gehen die andere Richtung. Sie müssen im Laufe ihrer Entwicklung feststellen, dass das, was für sie völlig normal ist, für die grosse Mehrheit der Gesellschaft nicht gilt: Nein, nicht alle Kinder haben zwei Mamas (zwei Papas)! Und nein, nicht alle Kinder wissen was die Regenbogenparade ist. Wenn zwei Männer mit Kindern zusammen im Freibad sind, dann ist das nicht unbedingt eine Regenbogenfamilie und nein, es werden auch nicht alle Kinder mit einem Becher gemacht.

Während für uns homo,-bi- und transsexuelle Erwachsene der Weg aus der Heteronormativität hin zur Erkenntnis, dass es für uns was passenderes gibt oft schmerzvoll und ganz und gar nicht einfach war, ist der Weg, den unsere Kinder gehen müssen zum Glück weniger steinig. Vorausgesetzt, sie dürfen in einer offenen und toleranten Gesellschaft (dazu zähle ich Österreich jetzt einfach mal ganz unkritisch) gross werden, dann wissen sie von Anfang an, dass beides okay ist: Hetero- und Homosexualität.

Dr.in Lisa Green, die FAmOs im Juni zu einem Workshop mit dem Titel “Gestärkte Eltern stärken Kinder: Vorbereitung auf den Weg durch die heterosexuelle Gesellschaft” eingeladen hat, lieferte viel spannenden Input zum Thema, wie man Kindern aus Regenbogenfamilie bei diesem Prozess effizient unterstützen kann. Unter anderem meinte sie, dass es wichtig sei den Kindern zu ermöglichen andere Kinder aus Regenbogenfamilien zu treffen, denn es tue gut sich einfach mal als ganz normal empfinden zu können.
Womöglich haben wir diesen Ratschlag allerdings zu sehr beherzigt, denn wir treffen uns seit Jahren regelmäßig mit anderen Regenbogenfamilien und haben einen grossen Regenbogenfamilien-Freundeskreis. Unser Sohn hat also von Anfang an die Erfahrung machen dürfen, dass es viele Familien wie die unsere gibt und – ich weiss ja nicht alles was die Kinder miteinander so besprechen – aber anscheinend ist er dabei auch zu der Meinung gelangt, dass alle Kinder üblicherweise mit Hilfe eines Bechers entstehen. Ich hoffe, ich konnte ihm gestern wieder ein Stückchen auf seinem Weg aus seiner homonormativen Blase heraus helfen.

P.S.: Dr.in Lisa Green ist Co-Autorin des Buchs “Die Geschichte unserer Familie”, einem Buch für lesbische Familien mit Wunschkindern durch Samenspende, das in keinem gut sortierten Bücherregal von Regenbogenfamilien fehlen sollte.

Never Ending Coming-Out

erstmals erschienen am 18.01.2014 auf

Umstandslos – dem Magazin für feministische Mutterschaft

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Das hat mir niemand gesagt.

Als S. und ich beschlossen, gemeinsam ein Kind haben zu wollen, hatten wir beide unser Coming-out längst schon hinter uns und betrachteten es als abgehakt. Welch großer Irrtum!

Es begann, als ich meinem Chef erzählen musste, dass ich schwanger bin und ich ihm erklären musste, dass ich nicht plötzlich wieder hetero geworden sei, sondern dass S. und ich mit Hilfe einer Samenspende Eltern werden würden. Und als die Schwangerschaft voranschritt, reihte sich eine Situation an die andere, wo ich erklären musste … okay … wollte … aber irgendwie doch musste – denn Lügen war in dieser Sache keine Option für mich –, dass ich zusammen mit meiner Freundin ein Kind bekommen würde: Gynäkologin, Hebamme, Mit-Schwangere im Geburtsvorbereitungskurs, sämtliches Personal in der Geburtsklinik, neue Bekanntschaften, etc. etc.

Als der Bauch dann weg war und der kleine Bär da, hörte das natürlich nicht auf.

Kinderarzt, Mamas (selten auch Papas) in der Krabbelgruppe, am Spielplatz.

Natürlich, könnte man jetzt einwenden, ich hätte ja nicht allen was über mich erzählen müssen. Aber Mütter in Karenz haben selten andere Themen als den noch so neuen Nachwuchs und alles, was damit zusammenhängt und ein Gespräch erschöpft sich sehr schnell, wenn man den zweiten Elternteil aus dem Gespräch ausklammern möchte.

Nach einigen frustrierenden Versuchen ein Gespräch mit einer Zufallsbekanntschaft an der Sandkiste möglichst outingfrei über die Bühne zu bringen – frustrierend, weil das Gespräch auf diese Weise natürlich nicht die Qualität erreichen konnte, die möglich gewesen wäre, aber auch, weil ich mich danach jedesmal ein bisschen selbst verachtet hab’ für meine Feigheit – war der Entschluss schnell gefasst – mich nie wieder nicht zu outen.

Zum Glück kommt man als Regenbogenfamilie ja nicht aus der Übung.

Mittlerweile hab ich im kleinen Bären dabei sogar tatkräftige Unterstützung. Er erzählt gerne, dass er zwei Mamas hat wie z. B. neulich dem netten fremden Papa in der Bücherei, der seinem Sohn ein Buch vorgelesen hat. Kontaktfreudig wie der kleine Bär nunmal ist, setzt er sich dazu und erzählt Vater und Sohn in einer Lesepause so laut, dass ich es sogar zwei Bücherregale weiter hören kann, dass er keinen Papa aber dafür zwei Mamas hat. Dann zeigt er auf mich und sagt: „Da ist meine Mama!“. Für mich bleibt nichts weiter zu tun, als dem neugierig guckenden Papa freundlich zu winken und meine Nase dann möglichst tief in das nächstbeste Buch zu vergraben.

Lesbischen Frauen (und natürlich auch schwulen Männern), die sich darüber ärgern, dass sie nicht immer und überall 100%ig zu sich und ihrer Sexualität stehen können, möchte ich gerne raten: Werdet Eltern! Ich weiß, nicht ganz so einfach, wie bei den meisten Heteros (aber das ist ein anderes Thema), aber es hilft ungemein dabei eine Coming-out-Routine zu entwickeln. Ihr kommt gar nicht aus! 😉

Die Übungsmöglichkeiten reißen auch mit dem Älterwerden des Kindes nicht ab. Bei uns beginnt jetzt die Zeit der Suche nach der passenden Volksschule und natürlich muss jede Kandidatin erst auf ihre Homofreundlichkeit hin getestet werden. Heißt also: jedesmal reinen Wein einschenken.

Nächste Woche haben wir Termin bei einem neuen Kinderarzt und da es ein ganzheitlich orientiert arbeitender Arzt ist (das war Bedingung), wird wohl auch mal wieder ein Coming-out fällig werden und ich muss zugeben, ein ganz klein wenig mulmig ist mir doch, nachdem er mir per Mail ein frohes neues Jahr in Gottes Segen gewünscht hat …

Versteht mich nicht falsch, ich beklage mich nicht. Ich weiss, dass ich von niemandem verlangen kann, mir an der Nasenspitze anzusehen, dass ich mein Kind nicht mit einem Mann aufziehe und auch nicht alleine, sondern mit einer Frau. Es ist nur …

… dass es so outing-intensiv werden würde, hat mir vorher niemand gesagt.

Das hat mich anfangs doch überrumpelt.

Ad UN-Kinderrechte…

Die UN-Kinderrechtskonvention eignet sich nicht, um gegen Regenbogenfamilien zu argumentieren.

Am 1. Dezember ist die Begutachtungsfrist für das geplante neue Fortpflanzungsmedizingesetz abgelaufen. Zwei Wochen lang war Zeit um dazu eine Stellungnahme abzugeben. Dazu haben sich viele Organisationen und engagierte BürgerInnen berufen gefühlt. Über 120 Stellungnahmen habe ich gezählt und natürlich konnte ich es mir nicht verkneifen ein bisschen in diesen Dokumenten zu schmökern.
Dabei ist mir aufgefallen wie oft von Personen oder Organisationen, die sich in ihrer Stellungnahme vehement gegen eine Aufhebung des Verbotes der medizinisch unterstützten Fortpflanzung für lesbische Paare aussprechen, die UN-Kinderrechtskonvention zitiert werden. Abgesehen davon, dass es verschwendete Energie ist ausgerechnet den Teil der Gesetzesänderung zu kritisieren, der sicher bestehen bleibt (da vom Verfassungsgerichtshofs angeordnet), kann ich nicht nachvollziehen inwiefern die Kinderrechtskonvention ableiten lässt, dass zwei Mütter für ein Kind schlecht sind.

In den Stellungnahmen der Gleichstellungsgegner werden zur Argumentation meist Artikel 7 und 8 der Kinderrechtskonvention herangezogen. Diese lauten:

Artikel 7

  1. Das Kind ist unverzüglich nach seiner Geburt in ein Register einzutragen und hat das Recht auf einen Namen von Geburt an, das Recht, eine Staatsangehörigkeit zu erwerben und soweit möglich das Recht, seine Eltern zu kennen und von ihnen betreut zu werden.
  2. Die Vertragsstaaten stellen die Verwirklichung dieser Rechte im Einklang mit ihrem innerstaatlichen Recht und mit ihren Verpflichtungen aufgrund der einschlägigen internationalen Übereinkünfte in diesem Bereich sicher, insbesondere für den Fall, daß das Kind sonst staatenlos wäre.

Artikel 8

  1. Die Vertragsstaaten verpflichten sich, das Recht des Kindes zu achten, seine Identität, einschließlich seiner Staatsangehörigkeit, seines Namens und seiner gesetzlich anerkannten Familienbeziehungen, ohne rechtswidrige Eingriffe zu behalten.
  2. Werden einem Kind widerrechtlich einige oder alle Bestandteile seiner Identität genommen, so gewähren die Vertragsstaaten ihm angemessenen Beistand und Schutz mit dem Ziel, seine Identität so schnell wie möglich wiederherzustellen.

Nun wird in der Stellungnahme vom Institut für medizinische Anthropologie und Bioethik (IMABE) aus dem in Artikel 7 verwendeten Wort “Eltern” plötzlich ein “Vater und Mutter”. Dort lautet es:

Das prinzipielle Recht des Kindes auf Vater und Mutter darf nicht willkürlich missachtet werden. Damit würde Österreich auch gegen die 1992 ratifizierte UN- Kinderrechtskonvention (vgl. Art 7 und 8) verstoßen.

Das steht in der Kinderrechtskonvention so nicht. Es steht auch nicht “Vater und Mutter” und schon gar nicht “genetische Eltern”. Dort steht “Eltern” und die Eltern eines Kinder können auch zwei Frauen oder auch zwei Männer sein, wenn sie gemeinsam ein Kind grossziehen.

Auch Dr. Jakob Cornides versucht in seiner Stellungnahme  mit der UN-Kinderrechtskonvention gegen Samenspenden für lesbische Paare zu argumentieren. Er schreibt zwar den Originaltext der Konvention nicht gleich ganz um, fühlt sich aber bemüßigt dem geneigten Leser/der geneigten Leserin erklären zu müssen, dass es sich bei den in der Konvention genannten Eltern “selbstverständlich” um die biologischen Eltern des Kindes handelt. Er schreibt:

Selbstverständlich bezieht sich dieses Recht auf die tatsächlichen (biologischen) Eltern des Kindes, also nicht auf jene mit ihm gar nicht verwandten Personen, die aufgrund eines rechtlichen Willküraktes so bezeichnet werden.

Hm. Damit widerspricht er sogar dem von ihm genannten Artikel 8 der Kinderrechtskonvention, denn dort steht doch ausdrücklich, dass die Vertragsstaaten sich dazu verpflichten die gesetzlich anerkannten Familienbeziehungen des Kindes zu achten.

Gesetzlich anerkannt heisst nicht biologisch. Wenn ein heterosexuelles Paar mit Hilfe einer Samenspende ein Kind bekommen, dann ist der Partner der Mutter gesetzlich anerkannter Vater. Ebenso sind meine Partnerin und ich gesetzlich anerkannte Familie unseres Sohnes, da meine Partnerin ihn vor einem Jahr adoptiert hat (Stiefkindadoption!).

Man darf den VerfasserInnen der UN-Kinderrechtskonventionen ruhig zutrauen, dass sie sich was gedacht haben beim Niederschreiben ihrer Zeilen. Und wenn sie tatsächlich genetische Eltern gemeint hätten, dann hätten sie das so hineingeschrieben. Haben sie aber nicht und in Artikel 8 steht noch einmal ganz deutlich dass Familie nicht alleine und unbedingt durch Blutsverwandtschaft definiert sein muss.

ich finde es schlimm, wie durch eine bewusst falsche Interpretation wieder einmal das Vorurteil geschürt werden soll, Regenbogenfamilien seien minderwertig und wir würden damit gegen allgemein gültige Kinderrechte verstossen.

P.S.: die beiden genannten Stellungnahmen sind sicherlich nicht die einzigen, die versuchen mit den UN-Kinderrechten zu argumentieren, aber bei über 120 Stellungnahmen hab ich mir bevorzugt jene zum Lesen herausgepickt, von denen ich wusste, dass sie gegen eine Gleichstellung von lesbischen Paaren sind.

An alle KindergärtnerInnen!

Seit Oktober 2014 bieten manche Kindergartenträgerorganisationen in Kooperation mit FAmOs Seminare mit dem Thema “Regenbogenfamilien” im Rahmen ihres Fortbildungsprogramms an. Unter dem Veranstaltungstitel „Und wer sind deine Eltern? – Vielfalt von Regenbogenfamilien“ geben Elisabeth Cinatl und ich interessierten KindergartenpädagogInnen einen umfassenden Überblick rund ums Thema gleichgeschlechtliche Elternschaft. Neben einigem an theoretischen Input versuchen wir den TeilnehmerInnen in der Gruppe zu helfen ein Gespür für den Umgang mit Kindern aus Regenbogenfamilien und  ihren Eltern zu entwickeln, die Scheu vor dem Thema zu nehmen und ihnen vor allem zu vermitteln, dass sie die Dinge ruhig offen ansprechen können. Homosexualität darf kein Tabu mehr sein!

Mir ist es ausserdem wichtig zu vermitteln, wieso diese Sache uns so am Herzen liegt und wieso wir es so wichtig finden, dass Personen, die mit unseren Kindern zu tun haben für dieses Thema sensibilisiert werden. Dazu möchte ich hier gerne eine Email zitieren, die mir eine Regenbogenmama aus Oberösterreich geschickt hat, als ich um Erfahrungsberichte von Regenbogenfamilien mit Kindergärten gebeten habe. Ich finde sie hat es gut getroffen:

“Liebe Barbara,

Ben (4,5J) geht in einen Caritaskindergarten, und es war von Anfang an klar, dass er zwei Mamis hat. War auch kein Problem. Letztes Jahr haben dann einmal ein paar Kinder gefragt, ob er wirklich zwei Mamis habe, und waren mit einem klaren Ja zufrieden. Vor ein paar Wochen – Ben ist nicht grad der große Redner – habe ich ihm dann aus der Nase gezogen, dass er nichts von uns erzählt im Kindergarten. Ich fragte wieso? Und er gab als Antwort, weil er nicht wisse, WARUM wir zwei Frauen sind, und dass er dann auf die Frage keine Antwort wüsste.

Das ist jetzt keine so große Sache gewesen, und sie konnte auch schnell geklärt werden. Ich denke allerdings, dass Aufklärungsarbeit in Kiga und Schule SEHR WICHTIG ist und immer wichtiger werden wird!! Er hat einfach bemerkt, dass ständig die alte Vater-Mutter-Kind-Leier durchgezogen wird! Und dass er allein dasteht! Da muss dringend Aufklärung her!

–          ES muss einfach selbstverständlich sein, dass beim Muttertagsgeschenk bzw. Vatertagsgeschenk. Die Familiensituation angepasst wird und zwar ungefragt!

–          Es müssen in Bilderbüchern verschiedene Familienformen gleichwertig nebeneinander dargestellt werden – die Heteronormativität ist nicht real!

–          Über etwas NICHT zu reden ist auch verletzend! Die PädagogInnen müssen aktiv die Themen aufgreifen, bis es normal ist, dass alle Familienformen normal sind. NORMAL IST, WAS MAN GEWOHNT IST!!

–          Verschiedene Lebens- und Liebesformen müssen einfach Teil des Alltags sein, über den die PädagogInnen ganz normal sprechen sollen.

–          Wir sind alle verschieden, und das ist gut so! Diversity!

Wir hatten bis jetzt keine schlechten Erfahrungen im KIGA – nur ist mir ein den letzten Wochen klargeworden, dass wir auch keine guten haben, weil wir einfach so mitrennen und das Thema an sich nicht thematisiert wird!

Ich wünsche mir sehr, dass es auch in Oberösterreich in Angriff genommen wird! Was können wir hier in Oberösterreich tun, damit es auch Fortbildungen für PädagogInnen gibt? Hast du vielleicht eine Kontaktperson oder gibt es schon Initiativen in dem Bereich?

GlG aus Oberösterreich”

Um kurz auf die Frage in der Mail einzugehen: diese Angebote gibt es derzeit leider nur in Wien und werden von den Trägerorganisationen organisiert. Wir sind aber natürlich offen für sämtliche Anfragen und Angebote aus den Bundesländern, haben nur leider nicht die Kapazitäten und die Möglichkeit diese Veranstaltungen selber zu organisieren.
Bei Interesse einfach an famos@regenbogenfamilien.at wenden.

P.S.: vielleicht bin ich ja paranoid, aber ich höre Gleichstellungs-GegnerInnen, die sich eventuell hierher verirren sollten, schon wieder “Sodom und Gomorrha” schreien und möchte deswegen klarstellen, dass es uns keinesfalls darum geht Sex bereits im Kindergarten zum Thema zu machen. Uns geht es um Familienvielfalt. Kindern im Kindergartenalter kann man durchaus zumuten zu erfahren, dass es auch Kinder gibt, die zwei Mamas und/oder zwei Papas haben kann. Die Kinder im Kindergarten meines Sohnes wissen das alle und ihre Welt ist deswegen nicht aus den Fugen geraten. Im Gegenteil, sie haben die Chance schon frühzeitig zu erfahren, dass wir in einer wundervoll bunten Welt leben und Vielfalt etwas Gutes ist.

 

 

Schulsuche…

Die Zeit vergeht so schnell, vor allem wenn man Kinder hat. Unser süsser kleiner Bub ist bereits ein KILK (Kind im letzten Kindergartenjahr), Vorschüler sagt man anscheinend nicht mehr, zumindest nicht in unserem Kindergarten.
Das bedeutet für uns, wir müssen uns nach einer passenden Volksschule umschauen. In der Stadt bedeutend schwerer als am Land, wo allein aufgrund der Entfernung nur eine oder höchstens zwei Schulen in Frage kommen. Hier bei uns haben wir mehr Auswahl aber damit auch mehr Stress ja die richtige Entscheidung zu treffen.
Die Basisvoraussetzungen sind schnell klar. Möglichst eine Ganztagsvolksschule, gut zu erreichen, genügend Auslauf für die Kleinen (heisst idealerweise Garten und Hof), wertschätzende und engagierte Pädagog_innen, ein kindgerechtes Ambiente. Danach wird’s schon schwieriger. als Regenbogenfamilie suchen wir natürlich nach einem Platz, an dem unserer Familienform nicht nur Toleranz sondern Akzeptanz entgegengebracht wird, ein Ort an dem Gleichwertigkeit aller Familien nicht nur ein Lippenbekenntnis sondern gelebte Realität ist. Ausserdem hätten wir gerne auch männliche Pädagogen und Klassenlehrer_innen, die reflektiert und aufgeschlossen mit dem Thema Familienvielfalt umgehen können und zudem mit feinen Antennen ausgestattet sind, um etwaige Dynamiken, die in so einer Klassengemeinschaft entstehen können auffangen zu können und gegebenfalls regulierend drauf eingehen zu können. Zu viel verlangt? Ich hoffe nicht!

Die vom Standort her nächste Schule ist eine katholische Volksschule. Unser Sohn könnte dort ganz bequem zu Fuss hinmarschieren und das sicher ganz bald sogar ohne elterliche Begleitung. Klingt gut, aber bei “katholisch” schrillen bei uns alle Warnglocken. Die Schule soll angeblich ganz super sein, alle Kinder von Bekannten, die dort gehen, sind extrem zufrieden und glücklich. Wir haben uns trotzdem dagegen entschieden, haben uns die Schule nach einigem Hin und Her  nicht einmal angeschaut, denn man kann es drehen und wenden wie man will… die katholische Kirche hat grosse Probleme mit uns Nicht-Heterosexuellen. Da können wir unser Kind nicht hinschicken. Der Erfahrungsbericht einer Freundin, die derzeit ebenso auf der Suche nach einer passenden Schule für ihren Sohn ist, bestätigt mich in dieser Entscheidung. “Zum ersten Mal in meinem Leben, hab ich mich tatsächlich aufgrund meiner Lebensweise und meiner Familien diskriminiert gefühlt” erzählt mir Z., die ihren Sohn ebenfalls gemeinsam mit ihrer Partnerin aufzieht. Gar nicht schüchtern und mit gesundem Selbstvertrauen hat sie bei der Besichtigung einer katholischen Schule in Wohnortnähe gleich die Karten auf den Tisch gelegt und gefragt, wie die Schulleitung gleichgeschlechtliche Paare mit Kindern gegenüber denn eingestellt sei. Daraufhin durfte sie sich belehren lassen, dass in der Bibel von “Mann und Frau” die Rede sei und dass Kinder unbedingt eine männliche Bezugsperson bräuchten. Ganz offensichtlich war man in dieser Schule nicht darauf vorbereitet abseits von Fernsehen und Medien mit einer “echten” Regenbogenfamilie konfrontiert zu werden.
Was kommt man als Regenbogenfamilie auch auf die Idee sein Kind in eine katholische Schule schicken zu wollen, mag man sich da fragen. ” Die Schule liegt um die Ecke, soll an und für sich sehr gut sein und N.s beste Kindergartenfreundin wird dorthin gehen. Es hätte so gut gepasst, meint Z. betrübt. “Das ist nicht okay, dass Kinder aufgrund dieser Intoleranz getrennt werden und nicht die gleiche Schule besuchen können.”

Doch zurück zu unserer Suche. Glücklicherweise liegen gleich zwei Ganztagsschulen in annehmbarer Nähe zu unserem Zuhause. Und noch besser, dass uns beide ganz gut gefallen. In einer hatten wir bereits einen Termin bei der Direktorin, die meinte dass die Sexualität der Eltern überhaupt kein Thema und  ihre Schule total bunt durchgemischt sei.  So ganz glücklich bin ich mit dem “gar kein Thema sein” aber auch nicht, denn genau das ist mitunter ein Problem für Kinder in Regenbogenfamilien, dass ihre Familienform kein Thema ist (siehe auch diese Studie). Regenbogenfamilien kommen im Unterricht nicht vor und sind somit unsichtbar. Dadurch kommen die Kinder immer wieder in die mitunter unangenehme Position sich erklären und für ihre Familie rechtfertigen zu müssen. Dem könnte man so einfach entgegenwirken, wenn man in Schulbüchern und Unterricht Familienvielfalt (inklusive Regenbogenfamilien) mehr Raum geben würde.
Aber gut, auf alle Fälle eine bessere Reaktion auf unser Coming-out als die in oben beschriebener katholischen Schule.

Die zweite Ganztagsschule in unserem Visier wartet gleich mit der freudigen Überraschung auf, dass es dort sogar zwei (!) klassenführende männliche Pädagogen gibt. Also nicht nur Werk- und/oder Sportlehrer oder Freizeitpädagogen sind Männer, sondern gleich zwei Klassen haben männliche Klassenlehrer. Noch dazu wird nächstes Jahr einer von ihnen eine erste Klasse übernehmen. Hurra! 🙂
Der Dämpfer lässt aber nicht lange auf sich warten, als ein Freizeitpädagoge bei der Einführung für interessierte Eltern erzählt es gäbe am Nachmittag verschiedene Kursangebote für die Kinder und man versuche die Kinder entsprechend ihrer Vorlieben in diesen Kursen unterzubringen. Wenn nun ein Bub sich für Fussball und Häkeln angemeldet hätte, dann würde er natürlich zum Fussball geschickt werden, weil er beim Häkeln ja sonst einem Mädchen einen Platz wegnehmen würde. Häh? Auf die Frage meiner Freundin wieso der arme Bub denn nicht Häkeln dürfe, wenn er das wolle und wieso ein Mädchen nicht Fussball spielen dürfe, meinte er etwas aus der Bahn geworfen. Die Fussballmanschaft müsse ja auch Turniere gegen andere Mannschaften spielen und das würde mit Mädchen nicht gehen. Gefiel uns als gendersensible Eltern natürlich weniger gut, dieses Schwarz-Weiss-Denken.  Wir hoffen, dass ein Gespräch mit der Direktorin hier noch ein bisschen mehr Klarheit hineinbringt, denn es ist fraglich ob eine Schule, die in derart traditionellen Rollenbildern denkt verschiedene Familienformen als gleichwertig sehen kann.

Noch ist offen, wo unser Kleiner in einem Jahr landen wird, unsere Suche ist ja noch nicht abgeschlossen. Wir sind aber zuversichtlich, dass wir nächstes Jahr um diese Zeit mit gutem Gewissen sagen können, dass wir die richtige Entscheidung getroffen haben.